Ronald Henss: Das Meisennest

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Schwanzmeise

Schwanzmeise

Das Meisennest

© Ronald Henss

Eine Ornithologin aus Lahr
trägt ganz üppiges Haar.
Sie band es fest
zu einem Nest;
und nun brütet, das ist wahr,
in diesem Nest ein Meisenpaar.

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Alfons Pillach: Gestörte Nachtruhe

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Fliege

Fliege

Gestörte Nachtruhe

© Alfons Pillach

Als neulich ich im Bette liege,
kam so eine dicke Fliege,
– es schlug schon die elfte Stunde –
und flog ihre Abendrunde.

An diesem Abend ging mir’s kläglich,
und ihr Gesumm war unerträglich.
Die Fliege brummte unverschämt,
hat meine Nerven mir gelähmt.

Weil Fliegen ziemlich lästig klingen,
entschloss ich mich, sie umzubringen,
und kaum war mein Entschluss gefasst,
macht sie auf meiner Nase Rast.

Verständlich, dass ich mich empörte,
weil dieses Biest mich rotzfrech störte;
und weil vor Wut ich ziemlich rase,
traf ich nicht sie, nur meine Nase.

Jetzt summte sie aus voller Kehle,
wohl ahnend, dass ich sie verfehle,
weil im Dunkeln ich nichts sah,
dreist kam sie wieder mir zu nah.

Sie ließ sich nieder in der Ecke,
ich nahm sogleich des Bettes Decke,
und es gab einen lauten Klatsch,
ich dachte schon: Jetzt ist sie Matsch!

Doch als ich dann das Licht anmachte,
da summte sie, als ob sie lachte.
Nun stieg ich aus dem Bett im Zorn
und nahm sie sehr genau aufs Korn.

Sie saß ganz ruhig an der Wand,
ich holte aus mit meiner Hand
und hätte sie bestimmt getroffen,
doch war das blöde Fenster offen.

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Alfons Pillach: Marianne

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Marianne

© Alfons Pillach

Marianne, meine Nachbarin,
war immer ganz alleine,
sie ging mir nicht mehr aus dem Sinn,
ich liebte ihre Beine.

Als ich als Bub am Fenster stand,
war ich ein dummer Junge,
Marianne winkte mit der Hand
und zeigte mir die Zunge.

Ich streckte meine auch heraus,
zum Zeichen meiner Liebe,
und als mein Vater kam nach Haus,
bekam ich dafür Hiebe.

Die Liebe tat mir damals weh,
der Schmerz war kaum zu lindern,
und wenn ich heut Marianne seh’,
erinnert sich mein Hintern.

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Alfons Pillach: Mein „Du“

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Mein „Du“

© Alfons Pillach

Wenn am Ufer ich ins blaue,
sommerwarme Wasser schaue,
sehe ich nach kurzer Zeit
ein Gesicht, ich bin zu zweit.
Seltsam wie es sich bewegt,
was in mir die Stimmung regt.
Träum’ ich oder bin ich wach?
Das Gesicht ist ziemlich flach,
seine Züge sind vergänglich,
plötzlich ist es wieder länglich.
Wellenspiel verzerrt die Züge,
Wellenspiel zeigt eine Lüge.
Das Gesicht, jetzt lacht es grässlich,
scheint ein Geisterbild, wie hässlich!
Kommt der Wellengang zur Ruh,
seh‘ ich: Mensch, das bist ja du!

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Leonore Enzmann: Schwarzfahren

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Schwarzfahren

© Leonore Enzmann

Cornelius hat einen Plan,
er fährt so gerne mit der Bahn,
allein das Ticket ist zu teuer,
der böse Schaffner nicht geheuer.

So stapft er an der Schiene, doch
da steht ja die Draisine noch.
Er schwingt sich auf und lässt die vielen
Muskeln an den Armen spielen.

Die Autofahrer, die ihn sehn,
sie bleiben an den Schranken stehn,
obwohl geöffnet, doch die Bahn
schließt ihre Schranken stur nach Plan.

Conny rast nun lustig weiter,
er jodelt frohgelaunt und heiter.
Doch plötzlich naht ein ICE!
„Ich seh, mein Ende naht, oweh!“

Den harten Aufprall merkt er kaum,
der Wecker klingelt, aus der Traum.
Zum Glück und Conny wird schnell laufen
und sich sofort ein Ticket kaufen,

die Strafe obendrein begleichen.
Der Traum war wohl ein Himmelszeichen!
Das Schwarzfahr’n hat ihm diese Nacht
den schlimmen Alptraum eingebracht.

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Arnd Helsson: Frühlings-Kinderreim

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Frühlings-Kinderreim

© Arnd Helsson

Auf den Feldern, in den Wiesen,
wenn die ersten Blümlein sprießen,
summen Bienlein brummbrummbrumm,
endlich ist der Winter rum.
Zwitschern Vöglein tirila,
endlich ist der Frühling da.
Und in frisch ergrünten Hecken
können Bub‘ und Mädchen sich verstecken.

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Leonore Enzmann: Treudoof

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Treudoof

© Leonore Enzmann

Du bleibst zu Haus und bügelst Hosen,
du putzt und wäschst und kochst und nähst.
Du spülst Geschirr und pflegst die Rosen,
nachdem du an der Kasse stehst.

Du kommst nach Haus mit Einkaufstüten,
du reinigst das verstopfte Klo,
am Abend musst du Kinder hüten,
wenn du im Bett liegst, bist du froh.

Dein Mann kommt fröhlich von der Arbeit,
setzt sich an den gedeckten Tisch,
danach beginnt für ihn die Freizeit,
im Bad macht er sich erst mal frisch.

Er fährt zum Ausgleichssport nun Rad,
so seine Zwanzig-Meilen-Runden.
Am Abend dann geht er zum Skat,
lässt sich dabei die Bierchen munden.

Der kessen Hilde im Lokal
gibt er noch zwei-drei Gläschen aus.
Am End bringt er auch dieses Mal
die sexy Mieze dann nach Haus.

Als er dann kommt, ist es halb vier,
du hast mal wieder wach gelegen.
Er schließt ganz leis die Wohnungstür,
du traust dich nicht, dich zu bewegen.

So geht es dir, tagaus, tagein,
damit musst du dich arrangieren.
Es könnte noch viel schlimmer sein,
das willst du aber nicht riskieren.

Du freust dich, wenn er bei dir liegt,
er hat dich nie geschlagen.
Hast jedes Jahr ein Kind gekriegt –
Du musst dich nicht beklagen!

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Leonore Enzmann: Raser

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Raser

© Leonore Enzmann

Radar auf den Autobahnen,
Wachsamkeit der Polizei,
könnt der Raser es nur ahnen,
bald ist seine Fahrt vorbei.

Mit zweihundert coolen Sachen
ist er lässig unterwegs.
Andre müssen Platz ihm machen,
Bummler geh´n ihm auf den Keks.

Autotuning, breite Reifen,
Spoilerflügel ziert das Heck.
Manche werden nie begreifen –
Rücksicht int’ressiert ein Dreck.

Doch nun hört er die Sirene,
tritt noch einmal auf das Gas,
zeigt den Bullen seine Zähne,
Rennen machen ihm ja Spaß.

He, du Tussi, mach mal Platz da,
sei bloß nicht so dummdreiststur.
Mache dich mit deinem Mazda
schnellstens auf die rechte Spur.

Ach du Schitt, jetzt noch der Brummi,
mach dich bloß nach rechts zurück.
Mensch verschwinde und gib Gummi,
heut hab ich wohl doch kein Glück.

Oh, ein Warnschild, was kommt jetzt noch?
Baustelle und vierzig nur.
Viel zu spät sieht er das Erdloch,
schafft es nicht mehr aus der Spur.

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Leonore Enzmann: Der Boxer

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Der Boxer

© Leonore Enzmann

Der Boxer, er steht wie ein Recke,
hat sein Gesicht zur Faust geballt.
Hand an der Brust und Blick zur Decke,
des Stadionsprechers stimme hallt.

Der Kampf soll geh´n über 12 Runden.
Er hat trainiert mit ganzer Kraft,
will sein Comeback damit bekunden,
gewinnen diese Meisterschaft.

Er steht in seiner roten Ecke,
sieht gegenüber seinen Gegner.
Von seinen Schultern zieht die Decke
sein Meistertrainer Ulli Wegner.

Der Gong ertönt, er läuft zur Mitte,
die Fäuste fliegen Schlag auf Schlag.
Getroffen hat nun schon der Dritte,
es ist wohl heute nicht sein Tag.

Er taumelt rücklings in die Seile,
weil er das Bein verwechselt hat.
Wenn er nicht aufpasst, kriegt er Keile,
zur Pause hat er einen Cut.

Der Arzt behandelt seine Wunde,
der Trainer redet auf ihn ein.
Schon tönt der Gong zur nächsten Runde
und schickt ihn in den Kampf hinein.

Er ist nicht sicher seiner Sache,
ein Schlag – und er verliert den Halt.
Im Fallen noch schwört er sich Rache,
Revanche bekommt er nicht sobald.

Ein Sausen tönt in seinem Kopfe,
von Weitem wird er angezählt.
Als er erwacht, hängt er am Tropfe,
auch merkt er, dass ein Zahn ihm fehlt.

Vor Jahren Meister aller Klassen,
doch dieser Kampf ihm generiert:
hätt’ er das Comeback nur gelassen,
dann hätte er sich nicht blamiert.

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Leonore Enzmann: Tuning

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Tuning

© Leonore Enzmann

Der Autofahrer ist ein Mann,
der absolut nicht anders kann.
Er muss es wienern, muss es putzen,
zum fahren nur kann er’s nicht nutzen.

Er muss den Innenraum stets fegen,
das Chassis muss er tiefer legen,
der Motor wird noch hoch getrimmt,
weil’s Ego das dem Mann bestimmt.

Breitreifen müssen auf die Felgen,
er muss im Technisieren schwelgen.
Verchromt sind alle wicht’gen Teile,
der Mann, der hat sonst Langeweile.

Mit Sportauspuff und GPS
der Mann bewältigt seinen Stress.
An den Seiten die Sportspiegel,
überm Kofferraum Heckflügel.

Jetzt ist der Mann richtig in Gange,
montiert die Frontspoilerstoßstange.
Ist diese dann an ihrem Platz,
folgt Nebellampeneinbausatz.

Scheinwerferblenden – die Entscheidung
und auch die Frontnierenverkleidung.
Er muss den Wagen doch aufmotzen,
dann kann er richtig damit protzen.

Sich selber pflegt er nicht so gern.
Die Hausarbeit – ein andrer Stern.
Der Wagen hat sein Herz besetzt
und die Familie kommt zuletzt.

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Leonore Enzmann: Die bucklige Verwandtschaft

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Die bucklige Verwandtschaft

© Leonore Enzmann

Es braust ein Ruf wie Donnerhall:
Geheiratet wird überall.
Von fern und nah kann man sie hören,
die ’s gern am liebsten selber wären.

Da kommen Scharen von Verwandten,
die wir vom Hören nicht mal kannten.
Da kommt der Onkel mit der Tante,
zwei neugeborne Anverwandte.

Der Sohn von Urgroßvaters Neffen,
der lange und der kurze Steffen.
Die Tochter von des Onkels Base,
die Nichte mit der spitzen Nase.

Cousin, Cousine, Urgroßmutter,
ein Ururenkel noch von Luther.
Und alle, alle kommen her,
weil ’s Freibier gibt, wie Sand am Meer.

Man hat den Braten schon gerochen.
Dem wird nun tüchtig zugesprochen.
Aus ehern’ Fässern gibt ‘s den Wein.
Man schmaust und schlingt ‘s in sich hinein.

Danach die Torte und den Kuchen
und auch das Eis muss man versuchen.
Danach ‘nen Schnaps noch für den Magen,
dann kann man noch ein Schnittchen wagen.

In Strömen rinnt nun schon der Schweiß
von jeder Stirn, obwohl ‘s nicht heiß.
Das kann ‘s noch nicht gewesen sein,
jetzt muss nur noch ein Würstchen rein.

Ein Hühnerbeinchen und ein Ei,
ein Kognak macht die Kehle frei.
Und ein Salat noch kann nicht schaden.
Sooft ist man nicht eingeladen.

Und geht das Fest dem Ende zu,
will man genießen noch in Ruh
eine von den Brazilzigarren.
Dann lässt man sich nach Hause karren.

Noch eine Woche schmerzt der Magen,
doch danach kann man ruhig fragen,
wo man als Nächstes ganz im Stillen,
so billig sich den Wanst kann füllen.

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Ronald Henss: Asthma

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Asthma

© Ronald Henss

Asthma – quälende Tage,
Atemnot, Husten und dann
halten die Götter den Atem
eine Sekunde an.

Noch einmal die goldenen Stunden,
die Lunge, der Atem, die Luft,
vergessen das Leid und die Wunden
ahnst du den ewigen Duft.

Noch einmal das Ersehnte,
ein freier Atemzug
durch die Lunge strömte,
durch die Lüfte dich trug.

Noch einmal ein Hoffnungsfunken,
wo längst Gewissheit wacht:
Der Atem ist entschwunden,
dies ist die letzte Nacht.

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Ronald Henss: (Haar)Verlust

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(Haar)Verlust

© Ronald Henss

Seltsam, durch’s Leben zu wandern.
Einsam muss ich nun sein.
Keiner mehr da von den andern.
Jeder lässt mich allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
als noch mein Haarschopf dicht war.
Nun, da das Haar ausfällt,
ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
der nicht den Haarausfall kennt,
der unentrinnbar und leise
die Haare vom Kopfe trennt.

Seltsam, durch’s Leben zu wandern.
Haarlos muss ich nun sein.
Einsam, getrennt von den andern.
Jeder lässt mich allein.

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Leonore Enzmann: Der selbstbewusste Bauer

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Der selbstbewusste Bauer

© Leonore Enzmann

Wozu brauch ich Klamotten?
Ich wohn nicht in der Stadt,
dort würde man verspotten,
wer nicht das Neuste hat.

Ich wohne auf dem Dorfe,
leg keinen Wert auf Schein.
Wenn ich in „Schlappen schlorfe“,
fühl ich mich trotzdem fein.

Ich brauche keinen Anzug,
ich brauche keinen Schlips,
das ist hier alles Unfug,
ich mach mich nicht zum „Fips“.

Ich müsste mich verkleiden,
so, wie ich doch nicht bin,
dann kann mich keiner leiden,
das hat doch keinen Sinn.

Ich bin und bleib ein Bauer,
fühl mich im Dorf zu Haus
und seid Ihr Städter sauer,
dann lache ich Euch aus.

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Leonore Enzmann: Sucht

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Sucht

© Leonore Enzmann

Süchtig sein, was denkt man drüber?
Der Kerl ist mit Drogen voll!
Oder vielleicht raucht er lieber
oder er säuft Alkohol!

Aber es gibt andre Süchte,
unter denen viele leiden.
Und das sind keine Gerüchte,
auch viel essen sollt man meiden.

Einmal sind es Süßigkeiten,
manchmal Pommes oder Chips,
darauf will ich nicht rumreiten,
denn es gibt noch andre Tipps.

Eins der allerschlimmsten Ziele,
die man sich heut setzen kann,
ist die Sucht der Onlinespiele,
die man kaum noch zählen kann.

Log Dich ein in fremde Welten,
kämpfe ruhmvoll und mit Mut,
dort wo andre Regeln gelten,
kannst erringen Hab und Gut.

Fliege zu entfernten Sternen,
reite auf der Galaxie,
wenn Du glaubst, Du kannst was lernen,
grenzenlos die Fantasie!

Baue Städte, ernte Felder,
züchte Vieh, bereis‘ die Welt,
oder rode ganze Wälder,
doch denk dran, das kostet Geld!

Nicht einarmige Banditen
kosten Dich den letzten Lohn.
Du verdienst keine Meriten,
wenn Du sitzt auf Levels Thron.

Spieler sind doch arme Wesen,
doch sie fühlen sich wie Gott,
sollten lieber Bücher lesen,
denn sonst ernten sie nur Spott.

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Dieter Franz: Der Terrorist

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Der Terrorist

© Dieter Franz

Der Facharbeiter kam ins Land
und er zeigt viel Sachverstand.
Mit Machete, Axt und Messer
verstehet er sich sehr viel besser.
Er mäht uns nieder mit dem Lkw,
jagt uns mit Sprengstoff in die Höh.
Doch stets ist er, Gott sei Dank,
ein Einzelfall und psychisch krank.

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Ronald Henss: Das Frühstücksei

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Das Frühstücksei

© Ronald Henss

Der Philosoph fragt, ob das Ei
oder die Henn’ am Anfang sei.
Egal, denkt der gemeine Mann,
der Tag fängt mit dem Morgen an.
Drum ist das Wichtigste für mich
das Frühstücksei am Frühstückstisch.

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Leonore Enzmann: Bügelmanie

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Bügelmanie

© Leonore Enzmann

Was ich liebend gerne hätt‘,
wär‘ ein neues Bügelbrett.
Bügeln, das ist ein Plaisier,
auf welches ich stets Lust verspür.

Wenn Hemden in der Wäsche knittern,
fängt meine Hand gleich an zu zittern.
Ob Jacken, Hosen, Socken, Röcke,
nach Knittern ich sofort sie checke.

Krawatten, Nachthemd, Pudelmützen,
müssen faltenlos glatt sitzen,
auch Taschentuch und Tanga-Slip,
Unterhosen – grau – Feinripp,

Mäntel, Sweater, T-Shirts, Westen,
auch die Schals von meinen Gästen.
Und ich bügle, wenn ich kriege,
auch vom Ober noch die Fliege.

Anzughosen, Oberhemden,
und die Jeans noch, von der fremden
Frau, die meinen Mann grad „zügelt“,
werden von mir glattgebügelt.

Was um mich herum passiert,
hat noch nie mich int’ressiert.
Nur, wenn irgendwas verknittert,
macht der Zustand mich verbittert.

Was, so werdet Ihr jetzt denken,
kann man dieser Frau nur schenken,
zum Geburtstag, Weihnachtsfeste,
was wär‘ für die Frau das Beste?

Da braucht Ihr nicht lang zu suchen,
keinen Wein, Pralinen, Kuchen.
Diese Frau geht nie auf Reisen,
drum schenkt ihr ein Bügeleisen.

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Leonore Enzmann: Ich Esel

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Ich Esel

© Leonore Enzmann

Heute bin ich wieder mal
ziemlich deppert, wie fatal.
Könnt‘ mich einen Esel nennen,
ließ doch glatt das Fleisch anbrennen.

Denn ich hörte einen Ton:
Klingelterror Telefon.
Hab beim Quatschen dann das Essen
irgendwie total vergessen.

Ich war ins Gespräch vertieft,
plötzlich roch ich, dass es mieft.
Ganz schnell noch ein „Tschüss dann“ hauch,
da empfängt mich schon der Rauch.

Fleisch hat eine schwarze Kruste,
Augen Tränen und ich huste.
Holzkohle ist ungesund –
Einer freut sich, unser Hund!

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Leonore Enzmann: Sport frei

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Sport frei

© Leonore Enzmann

Sacht beginn ich am Montage,
Rumpfbeugen in Rückenlage,
Armkreisen und Hampelmann –
sportlich fängt die Woche an.

Dienstag treff´ ich mich mit vielen
Freunden stets zum Tennisspielen.
Mittwochs Kletterwand erklimmen,
donnerstags geh ich dann schwimmen.

Freitags Rad fahr´n über Felder,
samstags Jogging durch die Wälder.
Knopf im Ohr, mit Modern Talking,
sonntags dann zum Nordic Walking.

So säh´ meine Woche aus,
hätt´ ich Zeit und wär´ zu Haus.
Doch was ist denn schon dabei?
Guter Wille zählt – Sport frei!

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Leonore Enzmann: Gesundheitswahn

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Gesundheitswahn

© Leonore Enzmann

Gesundheit steht im Vordergrund,
das ist meine Devise.
Das Fastfood ist nicht grad gesund,
drum esse ich Gemüse.

Die Vorsorge nehm ich genau,
ich lass mich untersuchen,
bin eine vorsichtige Frau,
verschmähe Wein und Kuchen.

Ich leb genau wie ein Asket
und fühle ich Beschwerden,
frag gleich den Arzt ich, wie mir´s geht,
so kann geholfen werden.

Den Kernspin, Röntgen und CT
verpass ich gleichfalls nie.
Und tut mir sonst noch etwas weh,
hilft Homöopatie.

Obgleich Gesundheitsfan ich bin,
wird mir doch langsam bang.
Ich glaub, die ganze Medizin
macht mich erst richtig krank.

Mich schwindelt und der Blutdruck steigt,
die Knochen tun mir weh.
Dass mir der Arzt etwas verschweigt,
befürcht ich – Live passé.

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Leonore Enzmann: Mein Ärger mit den Kochrezepten

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Mein Ärger mit den Kochrezepten

© Leonore Enzmann

Auch wenn ich mich jetzt blamiere,
denk ich fast, ich bin beschränkt.
Wenn das Kochbuch ich studiere,
frag, was man sich dabei denkt.

Ich hab eine kleine Küche,
koche nur für zwei Personen,
hab auch gern die Wohlgerüche,
doch der Einkauf muss sich lohnen.

Von der Zutat eine Prise
und ein Löffel Marinade,
fünfzig Gramm von dem Gemüse,
zwanzig Gramm von der Panade.

Das Gewürz ist ziemlich selten,
muss es im Reformhaus holen,
denn es stammt aus fernen Welten,
glaub fast, man will mich verkohlen.

Hundert Gramm von dem Gewürze
und das kostet richtig Geld.
Auch wenn ich die Mittel kürze,
weiß doch nicht, wie lang es hält.

Es verschwindet in der Tasche
knapp ein Kilopack Gemüse,
ein Karton, die Literflasche,
Reste füllen die Kombüse.

Was mach ich mit all den Resten,
die ich nicht gebrauchen kann?
Also koche ich am besten,
was ich selber mir ersann.

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Leonore Enzmann: Gourmet

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Gourmet

© Leonore Enzmann

Ob Krabben, Austern, ob Garnelen –
Was soll ich aus der Karte wählen?
Versprochen wird hier Hochgenuss,
e i n m a l probieren ist ein Muss!

Auf dieser Karte stehn, oh Schrecken,
Froschschenkel auch und Weinbergschnecken.
Die Muscheln gibt es mit Zitrone.
Wie schön, es gibt auch Minestrone.

Der Gastgeber bringt einen Toast,
wünscht Appetit und sagt dann Prost.
Ich kann mich leider nicht entscheiden
und möchte den Fauxpas vermeiden.

Drum schleiche ich mich in die Küche,
aus dieser strömen Wohlgerüche.
Da stehen Töpfe, Schüsseln, Kannen,
auch Bräter, Becher, Riesenpfannen.

Auf einem Tisch seh ich Langusten,
die wohl ihr Leben lassen mussten.
Doch ach, ich könnt mich glatt erregen,
sie fangen an, sich zu bewegen.

Ein dicker Koch greift kurz hinein,
wirft sie in heißes Wasser rein.
Sie zucken kurz und werden rot.
Ich glaub, sie schrei´n, dann sind sie tot.

W o z u? Das kann ich nicht versteh’n
und will nur noch nach Hause geh´n.
Ich weiß jetzt, wenn ich so was seh:
Ich werde niemals ein G o u r m e t.

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Ronald Henss: Kartoffelgedicht

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Kartoffelgedicht

© Ronald Henss

Von China bis nach Yukatan
baut der Mensch Kartoffeln an.
Im Wilden Westen, in Idaho
isst man die Kartoffel roh.
Feinschmecker in Princeton
lassen sie gern dünsten.
Doch auf den Komoren
lässt man Kartoffeln schmoren.
Auf der Fähre nach Puttgarden
gibt’s Kartoffeln nur gebraten.
In Kaiserslautern in der Pfalz
kocht man sie mit etwas Salz.
Bei den Schotten und den Iren
muss man Kartoffeln gratinieren.
Und der Meisterkoch in Staufen
lässt sie in der Form auflaufen.
Als Schnaps aus einer Brennerei
genießt man sie in der Türkei.
In Caracas gibt’s wenig Flaschen,
darum steckt man sie in Taschen.
Auf der Krim, bei den Kosaken
nutzt man sie zum Kuchenbacken.
Und auf Grönland, wie man weiß,
gibt’s sogar Kartoffeleis.
Nicht nur bei den Kariben
werden Puffer gerieben.
Deshalb nennt man nicht nur in Buchen
Kartoffelpuffer Reibekuchen.
Schales und auch Dibbelabbes
kennt im Saarland jeder Dabbes.
Im Département Guadeloupe
goutiert man die Kartoffelsuppe.
Im indonesischen Vielvölkerstaat
isst man Kartoffeln als Salat.
In großen und in kleinen Städten
isst der Franzose gern Kroketten.
Die Belgier und auch die Briten,
die sind ganz verrückt auf Fritten.
Der Rumäne in der Walachei
isst gerne Kartoffelbrei
und nicht nur in Übersee
nennt man Kartoffelbrei Püree.
Der Österreicher an der Ybbs
mag die Kartoffel nur als Chips.
Doch die Bürger von Davos
genießen lieber sie als Kloß.
In Halle an der Saale
isst man sie meist Schale.
Doch der Mann von Welt
isst sie nur gepellt.
Und nicht nur der Siebenschläfer
frisst gerne Kartoffelkäfer.

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Ronald Henss: Speisen

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Speisen

© Ronald Henss

Meinen Sie, die Kartoffel
sei eine niedere Speis,
nur weil der einfache Bürger
zahlt einen niedrigen Preis?

Meinen Sie, edle Speisen
müssten teuer stets sein
und die gemeine Kartoffel
sei eine Gaumenpein?

Kaviar, Hummer, Garnelen,
das feinste Gourmetgericht –
alles kann ich entbehren,
nur die Kartoffel nicht.

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